Startseite
Über uns
Klimaschutz
Schwerpunkte und Projekte
Finanzprodukte
Klimaschutz Award
Veranstaltungen
Aktuelles
Archiv 2011
Energiesparrechner
Newsletter bestellen
RSS Feeds
RKI intern
Raiffeisen Klimaschutz-Initiative

Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1, A-1020 Wien

Tel: +43-1-21136-2595
Fax: +43-1-21136-2559



Link zur Facebook-Seite der RKI (neues Fenster)
Die Krise ist vorbei? Haben wir daraus gelernt?

zurück

v.l.n.r.: Dr. Heinz Schaller (Vorstand Wiener Börse AG), Dr. Walter Rothensteiner (Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich), Mag. Peter Engert (Geschäftsführer Raiffeisen-Leasing), Vizekanzler DI Josef Pröll, Dr. Veit Sorger (Präsident der Industriellenvereinigung), © Raiffeisen-Leasing GmbHBei den von der Raiffeisen-Leasing veranstalteten Ökologiegesprächen wurden in den letzten Jahren viele aktuelle Themen diskutiert, wie etwa das Auto der Zukunft, die Donau als Verkehrsweg oder der Landwirt in seiner Rolle als Energieproduzent. Beim 5. Ökologiegespräch am 13. April 2010 wurden die Wirtschafts- und Finanzkrise und deren vielfältige Ausprägungen im Sinne der Nachhaltigkeit beleuchtet.Die große Gästezahl zeigte das Interesse des Publikums an diesem Thema.

Mancher wird sich vielleicht fragen, was die Krise mit Ökologie zu tun hat. Doch an diesem Abend wurde rasch klar, dass Menschen, die sich ähnlich der Natur verhalten – also nachhaltig, und damit ist nicht nur Mülltrennung oder alternative Mobilität gemeint – mit ihren Investments auch während der Krise besser gefahren sind, als diejenigen, die nur auf schnellen Erfolg aus waren.

Unter der Moderation von Mag. Peter Engert,Geschäftsführer der Raiffeisen-Leasing, näherten sich die prominenten Diskutanten des Abends – Dr. Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung, Dr. Heinz Schaller, Mitglied des Vorstandes der Wiener Börse AG, Dr. Walter Rothensteiner, Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich, und DI Josef Pröll, Vizekanzler und Finanzminister der Republik Österreich, – dem Thema Nachhaltigkeit aus den unterschiedlichsten Perspektiven und fanden doch letztlich eine gemeinsame Conclusio: Alle werden ihren Beitrag leisten müssen, um aus der aktuellen Situation heil herauszukommen und ein Szenario wie dieses in Zukunft zu verhindern.

Die Gründe, die zum Ausbruch der Krise geführt haben, sind weitgehend bekannt. Doch auch wenn alle glauben, die Ursachen zu kennen, heißt das noch nicht, etwas daraus gelernt zu haben. Europa ist heute bei vielen Parametern dort, wo es vor zehn Jahren war. Viele Entwicklungen der letzten Jahre wurden zunichte gemacht, andere sind geblieben. Das Wachstum und die Produktionssteigerungen sind jedoch verloren gegangen. "Wir haben 15 Prozent Industrieproduktion eingebüßt, die Verschuldung der europäischen Staaten ist in den letzten zwei Jahren um 20 Prozentpunkte gestiegen", verweist Engert bei seiner Eröffnungsrede auf die unerfreuliche Ausgangslage. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben im Sozialbereich. "Noch können wir unseren hohen Lebensstandard und unsere Errungenschaften sichern. Aber viele Staaten – auch Österreich – tun dies auf Pump. Und viele Menschen investieren ihre Ersparnisse in Konsumgüter, weil sie nicht daran glauben, dass Geld seinen Wert behalten wird. So wird die Tatsache, dass wir uns eigentlich im Jahr  2000 befinden, verschleiert."

"Die Krise ist noch nicht vorbei", hält auch Pröll fest. "Im Finanzsektor ist sie gut bewältigt, und auch in der Industrie ist das Ärgste verdaut. Die dritte Welle ist jedoch eine Krise der gesamten Volkswirtschaft, und die hat es in sich. Der Dominoeffekt ist eine Gefahr für den Euro und alle EU-Länder, wie am Beispiel Griechenland zu sehen ist." Für Sorger steht Österreich in vielen Segmenten zwar besser da als viele andere Länder, aber es gebe eine Aufschubtendenz. "Eine Konsolidierung ist unabdingbar, das sollte in der aktuellen Steuerdiskusion beachtet werden. Zuerst einsparen, dann an Belastungen denken."

Die Aktienmärkte laufen der Realwirtschaft voraus, doch heißt das, dass die Krise schon vorbei ist? "Wenn man sich die Fundamentaldaten ansieht, schaut es gut aus. Das macht mich zuversichtlich", so Schaller. "Doch jetzt muss man dazu übergehen, die Ursachen zu bekämpfen, und dabei sollte nicht nur den Finanzinstituten die Schuld zugeschoben werden." Bestimmte Grundtendenzen in der gesamten Volkswirtschaft müssten sich verändern. Finanzinvestoren würden nämlich naturgemäß immer dorthin gehen, wo die höchsten Renditen locken, daran wird sich wenig ändern. Auch Rothensteiner sieht das Problem bei den für die Weltwirtschaftskrise verantwortlichen Investmenthäusern: "Wir haben viele Initiativen gesetzt, um Auswüchse wie in der Vergangenheit zu verhindern, im Bankenbereich teile ich daher diese Sorge nicht." "Die Wirtschaft wollte unreglementiert sein und verbat sich jede Einmischung durch die Politik", berichtigt Pröll. Dennoch erwarte sie, dass der Staat einspringt, wenn es brenzlig wird. "Die Lehre daraus ist, dass wir die Auswirkungen alle gemeinsam finanziell tragen müssen. Das heißt vor allem zu sparen, aber es braucht auch einnahmenseitige Maßnahmen." Pröll will dabei nicht nur an der Steuerschraube drehen, sondern durch Steuerungselemente an der Ökologisierung arbeiten und dabei noch durch Direktinvestitionen "green jobs" schaffen.

Eine Ökologisierung des Steuersystems hält auch Sorger für einen zukunftsträchtigen Weg, wenn der Hauptverursacher – der Autoverkehr – mit eingebunden wird. Für Schaller wären Adaptierungen im Steuersystem, zum Beispiel in Form von Förderungen oder einer Transaktionssteuer, wünschenswert, allerdings unter Erfüllung zweier Bedingungen: kein Alleingang Österreichs, und alle Finanzinstrumente müssten eingebunden werden – nicht nur in Form beispielsweise einer Börsenumsatzsteuer. Rothensteiner plädiert für eine Reform, die alle betrifft: "Saniere dein Haus und hol dir dafür Förderungen", ist seine Empfehlung für ökologische Investitionen.

Eine neue Ära ist angebrochen. Der Kommunismus ist 1989 "verstorben", Kapitalismus bzw. Neoliberalismus fanden um den 15. September 2008 ihr Ende. Inzwischen hat ein Wertewandel stattgefunden. Ökologisches Wirtschaften, ökonomischer Erfolg und soziale Verantwortung sind kein Widerspruch mehr. Im Gegenteil, sie sind vereinbar und wichtig für die Zukunft. An diesem Abend wurde nicht nur ein weiteres Mal über die Krise und mögliche Lernfelder gesprochen, sondern auch über Maßnahmen diskutiert, mit denen sie bewältigt und in weiterer Folge möglicherweise eine künftige abgewendet werden kann.

Ob die Krise tatsächlich schon vorbei ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Aber nicht nur die Investoren und die Politik sind dafür verantwortlich zu machen. "Maßnahmen des Gesetzgebers sind immer nur die Leitschienen auf einer mehrspurigen Autobahn, auf der wir alle unterwegs sind. Und wir müssen selbst entscheiden, welche Spur wir nehmen wollen", mahnt Engert in seinem Schlussstatement die Verantwortung aller ein. Letztlich wird es nämlich an der Einstellung jedes einzelnen Individuums liegen, ob ethisches und nachhaltiges Verhalten im Wirtschaften, in der Gesellschaft und zum Beispiel bei persönlichen Veranlagungsstrategien Platz greifen kann. Vielleicht hat die "Geiz ist geil"-Mentalität der Gesellschaft durch die Krise ihren Reiz verloren, den sie davor offenbar ausstrahlte. "Und auch wenn verschiedene Wirtschaftsteilnehmer bisweilen nicht im Sinne der Nachhaltigkeit agieren, möchte ich Ihnen abschließend versichern, dass die Raiffeisen-Leasing auch in Zukunft ihr Möglichstes tun wird, um ethisch und nachhaltig zu handeln. Darauf können Sie sich verlassen!"

© Foto: Raiffeisen-Leasing

14. April 2010

Suche
Suchbegriff eingeben:
Links zum Thema
Raiffeisen-Leasing
A A ASchriftgröße   Impressum   Disclaimer   Suche 06. Februar 2012 08:14 © Raiffeisen Klimaschutz-Initiative